Roman Frechen, Yukiko Terada

Roman Frechen, Yukiko Terada - Roman Frechen, Yukiko Terada

Die Ausstellung von Roman Frechen und Yukiko Terada in der Galerie Deschler führt zwei sehr unterschiedliche künstlerische Positionen zusammen, die sich auf jeweils eigene Weise mit Identität, Körperlichkeit und kulturellen Zuschreibungen auseinandersetzen. Während Roman Frechen Phänomene japanischer Pop- und Subkultur aufgreift und in eine malerische Gegenwart übersetzt, entwickelt die in Berlin lebende japanische Künstlerin Yukiko Terada fragile, poetische Arbeiten über Vergänglichkeit, Transformation und die Bedingungen des Lebens.

Im Zentrum von Frechens Arbeiten steht die japanische Gyaru-Subkultur der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre. Die hier gezeigten Bilder widmen sich insbesondere dem Stil des Ganguro beziehungsweise Kurogyaru – einer Bewegung, die sich demonstrativ gegen traditionelle weibliche Schönheitsideale in Japan richtete. Statt Zurückhaltung, dunklem Haar und heller Haut kultivierten die Anhängerinnen gebräunte Haut, grell gefärbte Haare, auffälliges Make-up und expressive Kleidung. Frechen interessiert sich dabei weniger für eine dokumentarische Darstellung als für die kulturelle und emotionale Aufladung dieser Ästhetik. Seine Malerei bewegt sich zwischen Aneignung, Erinnerung und Projektion und zeigt Figuren, die zugleich selbstbewusst inszeniert und von einer gewissen Melancholie durchzogen erscheinen.

Der Ganguro-Stil verschwand Mitte der 2000er-Jahre weitgehend aus der Öffentlichkeit und erlebte erst mehr als ein Jahrzehnt später ein erneutes Interesse. Gruppen wie Black Diamond sowie neue soziale Netzwerke trugen dazu bei, die Ästhetik und das Lebensgefühl der Bewegung international sichtbar zu machen. Heute existiert die Gyaru-Community weltweit und ist insbesondere über Plattformen wie Instagram eng miteinander vernetzt. Frechens Arbeiten greifen diese Verschiebung von Subkultur, Erinnerung und digitaler Bildzirkulation auf und übersetzen sie in eine gegenwärtige malerische Sprache.

Auch Yukiko Teradas Werk kreist um Übergänge und Zustände des Wandels, allerdings in einer stilleren, existenzielleren Form. Ihre Arbeit „schwarzer Vogel + weißer Vogel“ verbindet Gegensätze wie Leben und Tod, Licht und Dunkelheit, Hochzeits- und Trauerkleidung. Die Federn der Vögel erscheinen dabei als Metaphern für Lebewesen, für Zerbrechlichkeit und Verwandlung. Entstanden während der Schwangerschaft der Künstlerin, spiegelt die Arbeit eine Zeit intensiver körperlicher und emotionaler Wahrnehmung wider. Die Veränderungen des eigenen Körpers und die tägliche Entwicklung des ungeborenen Kindes verdichten sich in einer Bildsprache, die Intimität und universelle Erfahrung miteinander verbindet.

So unterschiedlich die beiden Positionen erscheinen mögen, verbindet sie ein sensibles Interesse an Formen von Identität, die sich permanent verändern und neu definieren. Beide Künstler:innen beschäftigen sich mit gesellschaftlichen Bildern des Körpers und mit den Spuren, die kulturelle Vorstellungen, Erinnerungen und persönliche Erfahrungen hinterlassen. Die Ausstellung eröffnet damit einen Raum zwischen Popkultur und Poesie, zwischen Inszenierung und Verletzlichkeit, zwischen Oberfläche und existenzieller Tiefe.

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The exhibition by Roman Frechen and Yukiko Terada at Galerie Deschler brings together two distinctly different artistic positions, each engaging in its own way with questions of identity, corporeality, and cultural attribution. While Roman Frechen draws upon phenomena of Japanese pop and subculture and translates them into a contemporary painterly language, the Berlin-based Japanese artist Yukiko Terada creates fragile, poetic works that reflect on transience, transformation, and the conditions of life itself.

At the center of Frechen’s works lies the Japanese Gyaru subculture of the late 1990s and early 2000s. The paintings presented here focus in particular on the style known as Ganguro or Kurogyaru—a movement that deliberately opposed traditional ideals of female beauty in Japan. In place of restraint, dark hair, and pale skin, its followers cultivated deeply tanned skin, brightly dyed hair, striking make-up, and extravagant clothing. Frechen is less interested in documentary representation than in the cultural and emotional charge embedded within this aesthetic. His paintings move between appropriation, memory, and projection, portraying figures that appear both self-consciously staged and imbued with a subtle sense of melancholy.

The Ganguro style largely disappeared from public view in the mid-2000s and only experienced renewed attention more than a decade later. Groups such as Black Diamond, along with the emergence of new social media networks, helped bring the movement’s aesthetic and spirit back into international visibility. Today, the Gyaru community exists worldwide and remains closely connected through platforms such as Instagram. Frechen’s works engage with this shift between subculture, memory, and the circulation of digital imagery, translating it into a contemporary painterly language.

Yukiko Terada’s work likewise revolves around transitions and states of transformation, albeit in a quieter and more existential register. Her work black bird + white bird juxtaposes opposites such as life and death, light and darkness, wedding attire and mourning garments. The birds’ feathers function as metaphors for living beings, evoking fragility and metamorphosis. Created during the artist’s pregnancy, the work reflects a period of heightened bodily and emotional awareness. The transformations of her own body and the daily biological development of the unborn child coalesce into a visual language that intertwines intimacy with universal human experience.

As different as the two artistic positions may initially appear, they are united by a sensitive engagement with forms of identity that are constantly shifting and redefining themselves. Both artists explore socially constructed images of the body and the traces left by cultural narratives, memories, and personal experience. The exhibition thus opens up a space between pop culture and poetry, between staging and vulnerability, between surface and existential depth.

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